Umzug in die Sozialhilfe – ein seeehr steiniger Weg

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Mir brummt der Schädel und ich frage mich, warum das eigentlich alles so kompliziert und vor allem so zeitaufwendig sein muss!

Das Problem bei der Wohnungssuche bei Volljährigkeit ist vor allem folgendes: mehrere Behörden müssen zusammenarbeiten. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist leider, dass es eine Wohnung oft erst Tage NACH dem 18. Geburtstag gibt, der Jugendliche aber mit dem Stichtag zum Geburtstag die bisherige Einrichtung der Jugendhilfe verlassen muss. Die Tage dazwischen muss er in die Erstaufnahmeeinrichtung der Stadt, wovor die Jungs große Angst haben. Dort waren sie schon mal und dort wollen Sie nie wieder hin.

Warum ist dieser Übergang so holprig und für die Jugendlichen und Vormünder mit so viel Stress verbunden? Liegt das daran, das Sozialamt, Jugendamt und Landesinterne Verwaltung zusammenarbeiten müssen? Jedenfalls führt diese Zusammenarbeit bisher dazu, dass die Jungs bis zuletzt, also bis zum 18. Geburtstag quasi nicht wissen, wie es weitergeht, ob sie zwischenzeitlich in die Erstaufnahme müssen oder ob sich noch jemand privat “erbarmt” und statt EAE (erstaufnahmeeinrichtung) einen Schlafplatz anbietet.

Zur Problematik:
1. Die Jugendlichen werden bei Volljährigkeit erneut vom Land Sachsen auf die Kommunen verteilt. Sie hoffen natürlich, dass es die Stadt ist, in der sie bisher schon gelebt haben. Die Zuweisung kommt von der Landesinternen Verwaltung. Die darf aber keine Zuweisung für die Zukunft ausstellen. Für die Jugendlichen, die zum 1.1. volljährig werden, ist das besonders prekär, denn der 1.1. ist ein Feiertag.

2. Das Sozialamt wird erst nach Zuweisung aktiv. Dann nämlich haben sie erst einen Namen auf der Liste und können einen Wohnplatz zuweisen. Das muss dann eben von jetzt auf gleich passieren. Das ist das Sozialamt schon gewöhnt. Als ich Ende November dort war, um die zukünftige Wohnsituation zu klären, hat man mich wieder weggeschickt und gesagt, da hätten wir ja noch ganz viel Zeit. Es gab außerdem noch keine Zuweisung und damit stand mein Mündel noch nicht auf der wichtigen Liste, er existierte also für das Sozialamt noch nicht.

3. Das Jugendamt ist für die Jugendlichen NUR bis zur Volljährigkeit verantwortlich, zumindest, wenn keine weiteren Hilfen greifen. Dementsprechend müssen die Jugendlichen die Hilfeeinrichtungen oder Inobhutnahmen dann verlassen. Warum kann das Jugendamt da keinen Übergang organisieren, der es den Jungs leichter macht? Eine 10-Tage Übergangsfrist oder ähnliches? Lassen sich die Vorschriften nicht dahingehend anpassen? Als Minderjährige sind sie besonders schutzbedürftig, kommen in gesonderte Unterbringungen, gehen zur Schule und werden sozialpädagogisch betreut. Doch dieses abrupte Ende bei Volljährigkeit macht Vieles wieder kapputt. Ich erlebe selbst, wie die Jugendlichen von der Angst vor der Zukunft destabilisiert werden.

Ich möchte den Mitarbeitern in den einzelnen Ämtern gern glauben, dass sie ihr Möglichstes tun. Wenn das aber nciht ausreicht, um ein gutes Ergebnis zu erzielen, ist es an der Zeit, die Anweisungen und Vorschriften zu ändern. Fakt ist, dass es eine bessere Lösung gibt. Die Frage ist nur, wie kann die erreicht werden und was muss dafür geändert werden.

Nach mehreren Telefonaten sowohl von mir als auch einem Betreuer aus der Inobhutnahme meines Mündels, haben wir nun offenbar erreicht, dass die interne Verwaltung doch schon nach Weihnachten zuweist. Das bedeutet, das Sozialamt weiß ein paar Tage eher als sonst, dass da jemand auf einen Wohnplatz wartet. Ich hoffe sehr, dass das dazu führt, dass mein Mündel spätestens am 2. Januar einen Wohnplatz bekommt. Vielleicht kann das zur Regel werden und die Zuweisung bereits ein paar Tage vor dem 1. Geburtstag erfolgen? Es gibt eben offenbar noch nicht so viel Erfahrung in diesem Procedere, dass es zu einer Optimierung hätte reichen können. Ich hoffe sehr, dass diese nun endlich erfolgen kann.

Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie gehen die Amtvormünder in so einem Fall vor? Warum schafft das Jugendamt keine weichen Übergangsfristen? Warum gibt es so große Angst vor der EAE?

Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Update am 14.12.

Es gab eine Zusammenkunft der beteiligten Behörden am 6.12. Im Protokoll, welches das Jugendamt zur Verfügung gestellt hat, ist zu lesen, dass die Zuweisung nun spätestens bis 1 Woche vor Eintritt der Volljährigkeit erfolgen muss. So kann das Sozialamt besser planen und hoffentlich ohne Umschweife einen geeigneten Wohnplatz zuweisen. Das komplette Protokoll können Sie hier einsehen.

Abhängig vom Status des Asylverfahrens gibt es bestimmte Wohnauflagen der Stadt. Genaueres steht ebenfalls im Protokoll.

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