Erfahrungsbericht zur Anhörung – März 2017


  • Teilnehmer
    Sandra on #212

    Ich hatte nun gestern mit meinen Mündel den Anhörungstermin beim BAMF und möchte ich euch an meinen Erfahrungen teilhaben lassen.

    Die Außenstelle Dresden ist ein sehr trostloses Gebäude, was von außen definitiv nicht sofort als Amt erkennbar ist. Nur ein weißer Papierausdruck an der Tür zeigt, dass hier das BAMF sitzt. Direkt am Eingang muss man dann die Einladung und den Originalen“ausweis“ des uMAs abgeben – er bekommt dann ein Papierbändchen um das Handgelenk gebunden. Ich selbst und unser Beistand mussten auch unsere Ausweise vorzeigen. Die Einladung (mit Anwesenheitsvermerk für die Schule) und den Ausweis des Mündels bekommt man später in der Anhörung wieder zurück.

    Anschließend wurden wir in den Warteraum geschickt. Eigentlich sollte unser Termin 08:30 Uhr beginnen (wir waren der 1. von maximal 3 Terminen am Tag), aber das BAMF hatte wohl eine längere Dienstberatung, sodass es für uns tatsächlich erst 10:15 Uhr losging. Während der Wartezeit haben wir uns mit einem weiteren uMA die Zeit mit UNO spielen vertrieben.

    Bereits im Vorfeld hatte ich dem BAMF schriftlich angekündigt, dass die Bezugsbetreuerin meines Mündels an der Anhörung teilnehmen wird, ich darauf hinweise, dass wir einen Dari-sprechenden Dolmetscher wünschen (und nicht Farsi – der Dialekt ist schwer verständlich für Dari-Muttersprachler) und das mein Mündel traumatisiert ist. Ob das was an den Gegebenheiten geändert hat, kann ich nicht einschätzen. Aber wir hatten dann tatsächlich eine weibliche, sehr einfühlsame, gut verständliche Dolmetscherin und auch der Anhörende hat verhältnismäßig sanft die Fragen gestellt bzw. nicht extrem auf bestimmten Ereignissen rumgepocht. Er hat zudem versucht, die Situation mit dem Verteilen von Bonbons aufzulockern. Außerdem durften sowohl der Beistand als auch ich zu Wort kommen, Hinweise geben und sogar anregen, dass der Anhörende noch diese oder jene Frage stellt. Wir können uns also nicht beschweren!

    Ungefähr eine Woche vor dem Anhörungstermin hatte ich noch einen zweiseitigen Fragebogen zugesandt bekommen, der zum Interview mitzubringen war. Es geht da um Anschrift und Namen der Eltern, Familienverhältnissen, Fluchtstationen, Schul/Berufs-bildung. Der Fragebogen dient während des Interviews dann dazu, dass der Anhörende gezielter Fragen stellen kann.
    Zu den bereits im Forum aufgeführten Fragen selbst habe ich nicht direkt etwas zu ergänzen. Das deckt sich ungefähr mit denen, die wir gestellt bekommen haben. Mein Mündel sollte allerdings noch sagen, warum ihn seine Eltern nicht einfach mit einem Reisepass in das Flugzeug gesetzt haben, weil man in Deutschland ja schon als Minderjähriger alleine fliegen darf. Außerdem sollen wir noch möglichst ein Familienbuch oder Ähnliches nachreichen, denn mein Mündel wusste leider kaum etwas über die Eltern zu sagen, sodass das BAMF gern einen Beweis hätte, dass er wirklich der Sohn seiner Eltern ist.

    Unser Interview hat dann schlussendlich 4,5 Stunden gedauert, wobei 50 min alleine die Rückübersetzung am Ende gedauert hat. Mein Mündel konnte sich noch sehr gut konzentrieren und hat einige Übermittlungsfehler der Dolmetscherin bemerkt. Auch der Beistand und ich haben das Protokoll Korrektur gelesen und dabei insbesondere Sprach-Text-Fehler ausgemerzt. Darauf sollte man wirklich achten, denn das Sprachprogramm vom BAMF macht manchmal echt komische Worte aus dem gesprochenen, sodass der Sinn überhaupt nicht mehr klar ist.
    Bei der Beratungsstelle des Flüchtlingsrates hatte ich den Tipp bekommen, meinen geplanten Sommerurlaub in das Protokoll mit aufnehmen zu lassen inkl. des Wunsches, in diesem Zeitraum keine Bescheidzustellung zu veranlassen (Stichwort: Widerspruchsfristen!). Der Anhörer hat sich zwar etwas gesträubt und wollte mir auch klarmachen, dass das nicht nötig sei, aber sicher ist sicher. Es steht nun drin.

    Wir sind froh, den Termin hinter uns zu haben und warten jetzt natürlich gespannt auf das Ergebnis. Von einer mit im Warteraum sitzenden Amtsvormündin habe ich gehört, dass einige afghanische uMAs von ihr seit über 6 Monaten auf ihren Bescheid warten. Ich hoffe sehr, dass es bei uns schneller geht.

    Hat jemand von euch Erfahrungswerte aus der letzten Zeit?
    Wie wird der Bescheid eigentlich zugestellt? Per Einschreiben in den Briefkasten oder mit PZU direkt an mich persönlich inkl. Unterschrift? Was ist, wenn mich der Briefträger in diesem Fall ewig nicht persönlich antrifft (ich bin ja schließlich den Tag über arbeiten)?

    Alles in allem war die Anhörung anstrengend, aber lange nicht so schlimm, wie wir es im Vorfeld befürchtet hatten.


    Teilnehmer
    Kathleen on #215

    Hallo Sandra, wir warten auch noch auf den Bescheid seit Anfang Januar. Aber manchmal kann es ja auch gut sein, wenn es recht lange dauert….
    Der Brief soll per Einschreiben in den Brifkasten gesteckt werden und gilt dann mit Datum als zugestellt.
    Heißt, deine Idee wegen Urlaub war ganz gut.

    Viele Grüße
    Kathleen


    Keymaster
    Anne on #225

    Hallo Sandra,
    danke für deinen ausführlichen Bericht. Bei unserem Termin Ende Januar mussten wir übrigens auch ziemlich lange warten. Ich hab dann die Wachleute gefragt und die sagten, es würden alle früh bestellt und dann eben nach und nach “abgearbeitet”. Das käme auch immer darauf an, wann die Interviewer selbst früh mit der Arbeit beginnen.

    Ich hab Deinen ausführlichen Bericht in einem Beitrag verlinkt, damit er leichter gefunden wird.

    Weiterer Erfahrungsbericht BAMF Anhörung

    Ja, ich stimme Kathleen zu, in bestimmten Situationen ist es auch nicht schlecht, wenn sich die Behörden mit der Antwort Zeit lassen;-(

    Liebe Grüße
    Anne

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