Erste Fragen zur Vormundschaft

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Wer braucht einen Vormund?

Die Flüchtlinge, um die es hier geht, sind minderjährig. Das bedeutet meist, sie sind unter 18. Da sich die Volljährigkeit aber nach der Gesetzeslage im Heimatland richtet, kann es auch sein, dass ein minderjähriger Flüchtling schon 20 ist; dann nämlich, wenn in seinem Land die Volljährigkeit erst mit 21 gegeben ist.

Offiziell heißen diese Flüchtlinge “unbegleitete minderjährige Asylsuchende” kurz UMA. Sie werden nach der Ankunft in Deutschland auf die einzelnen Bundesländer aufgeteilt und auch innerhalb der Bundesländer erfolgt nochmals eine Verteilung. Das zuständige Jugendamt unterhält sogenannte Inobhutnahmestellen, in denen die Jugendlichen, meist sind es Jungs, zunächst untergebracht sind.

Das Gesetz sieht zwingend eine Vormundschaft vor. Doch mit dem erhöhten Flüchtlingsaufkommen sind die Amtsvormünder häufig überfordert. In Dresden warb das Jugendamt daher gezielt ehrenamtliche Vormünder an.

Wie wird man ehrenamtlicher Vormund?

Zunächst müssen der Jugendliche und der potenzielle Vormund ein Dokument unterzeichnen, auf dem sie die Vormundschaft ausdrücklich wünschen zw. damit einverstanden sind. Anschließend entscheidet das Amtsgericht über die sogenannte Bestallung des Vormundes. Wenn diese erfolgt ist, hat das Mündel offiziell einen Vormund.

Was macht ein Vormund?

Ein Vormund hat die Pflicht und das Recht, für das Wohl des Kindes (und dessen Vermögen, wenn vorhanden) zu sorgen. So ist es im BGB §1793 geregelt. §1626 erklärt die elterliche Sorge genauer, die eben auch Vormünder übernehmen können:

(2) Bei der Pflege und Erziehung berücksichtigen die Eltern die wachsende Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis des Kindes zu selbständigem verantwortungsbewusstem Handeln. Sie besprechen mit dem Kind, soweit es nach dessen Entwicklungsstand angezeigt ist, Fragen der elterlichen Sorge und streben Einvernehmen an.

Wenn eine Vormundschaft beginnt, sind meist zunächst zwei Dinge zu klären bzw. tun:

  1. Prüfen, ob ein Asylantrag bereits gestellt wurde.
    1. wenn ja, ist dem BAMF die Vormundschaft mitzuteilen, da der Vormund nun neuer Ansprechpartner ist
    2. wenn nein, dann sollte dieser Antrag möglichst zügig gestellt werden (zumindest in den meisten Fällen)
  2. Einen Antrag auf Hilfe nach §34 SGB VIII stellen.
    Dieser sorgt dafür, dass der Jugendliche aus der Inobhutnahme, die nur eine erste Anlaufstelle ist, in eine längerfristige Wohnform kommt. Meist sind dies sozialpädagogisch betreute Wohngruppen, die überall in der Stadt verteilt sind. Ein solcher Antrag wird in Dresden vom ASD, dem Allgemeinen Sozialen Dienst, bearbeitet.

Bei den bisherigen Mündeln war die Schulsituation meist schon geregelt. Sollte das nicht der Fall sein, ist hier auch der Vormund gefragt. Das Jugendamt hat eine Checkliste zusammengestellt, die wichtige Themen noch einmal auflistet.

Weitere Themen für den Vormund:

  • Wo sind die anderen Familienmitglieder? Ist eine Familienzusammenführung möglich?
  • Ausbildungsplatzsuche
  • Organisation von Praktika, das Mündel ist während des Praktikums über das Jugendamt versichert, daher ist unbedingt eine Absprache mit diesem erforderlich.
  • Kontoeröffnung, insbesondere wenn das Mündel bald volljährig wird und die finanzielle Grundsicherung dann über Jobcenter oder Sozialamt erfolgt
  • Medizinische Sorge, sofern dies nicht die Betreuer der Jugendlichen in der Wohngruppe oder der Inobhutnahme übernehmen
  • Antrag auf Mitgliedschaft bei einer Krankenkasse. Dies wird meist nötig in Verbindung mit dem Umzug in eine Wohngruppe. In der Inobhutnahme ist die Krankenversicherung anders geregelt und erfolgt im Akutfall über das Jugendamt.

Ein Vormund hilft aber auch in vielen weiteren Situationen….

Dazu brauche ich noch Input. Dieser Beitrag ist eine erste Sammlung von wichtigen Stichpunkten. Es fehlt sicher Einiges. Schreiben Sie doch einen Kommentar dazu, oder mir eine Email, dann ergänze ich das gern.

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5 Kommentare

  1. Rambow, Heike on

    Vorbereitung des Übergangs in die Volljährigkeit

    für die Fälle, in denen Minderjährige kurz vor der Volljährigkeit stehen bittet die Landesdirektion Sachsen um folgende Verfahrensweise.

    Über die betreffende Person soll der Vormund 2-3 Monate vor dem 18. Geburtstag eine E-Mail bzw. andere schriftliche Information an Frau Legler von der Landesdirktion Sachsen geschickt werden. Diese Information soll den “Antrag/ Bitte auf Zuweisung nach Dresden” enthalten, sofern dies gewünscht wird. Eine Begründung ist sicher sinnvoll (z.B. Mündel lebt in einer Wohngruppe, hat evtl. auch eine Hilfe für junge Volljährige beantragt, ist in Dresden integriert in Schule, Familie, Freunde ect.) Die E-Mail-Adresse lautet: Ramona.Legler@lds.sachsen.de

    Gleichzeitig mit dieser E-Mail soll auch der/die Mitarbeiter/ Mitarbeiterin des ASD, das Sozialamt, Frau Schöne (ASchoene@Dresden.DE) und Herr Kalinka von der Ausländerbehörde ( JKalinka@dresden.de) eine Information erhalten, damit der Übergang vom Jugendamt zum Sozialamt ohne weitere Verzögerungen erfolgen kann, für den Fall, dass das Mündel nach dem 18. Geburtstag keine stationäre Hilfe mehr vom Jugendamt wünscht/ bzw. erhält.
    Bleibt das Mündel in einer Hilfe des Jugendamtes ist der Antrag ebenfalls zu stellen, aber der Übergang ist einfacher, weil es dazu vor Eintritt der Volljährigkeit differenzierte Absprachen mit dem ASD geben wird und das Mündel in der Regel in der Einrichtung/ WG bleiben kann.

    Ergänzung von Anne Hentschel: Das Formular mit den auszufüllenden Punkten gibts hier.

  2. Rambow, Heike on

    Thema Haftpflichtversicherung:

    Für alle “Mündel” im Verantwortungsbereich der Landeshauptstadt Dresden i. S. der “unter Vormundschaft stehenden” Kinder und Jugendlichen – unabhängig von ihrer Herkunft – ist der Haftpflichtdeckungsschutz über die Ostdeutsche Kommunalversicherung gegeben.

    Dies trifft für die Vormundsvarianten
    – Berufsvormund
    – ehrenamtlicher Vormund
    – Amtsvormund
    – ggf. Vereinsvormund
    zu.

    Ansprechpartner bei Haftpflichtversicherungsfragen ist Frau Dr. Birgit Kenschke, Sachgebietsleiterin der Versicherungsverwaltung, bzw. Frau Filß, Sachbearbeiterin Versicherungsverwaltung, (Tel. 4889574)Landeshauptstadt Dresden, Geschäftsbereich Personal und Recht/ Rechtsamt

  3. Hallo Anne,

    ich bin seit kurzem auch Vormund und muss den Betreuern vor Ort noch Vollmachten erteilen. Nur bin ich mir unsicher,was ich überhaupt alles übertragen kann bzw.sollte. Das Jugendamt meinte,dass man hier auf der Seite ein Muster finden kann,aber ich finde es leider nicht. Kannst du mir Tipps für die Vollmacht geben?

    Vielen Dank im Voraus

    • Hallo Sandra,
      am besten du lässt dir von den Betreuern oder vom bisherigen Amtsvormund das Vollmachtsschreiben geben und übernimmst alles oder ergänzt, bzw. streichst Sachen.So hast du einen Anhaltspunkt, was wichtig ist. Ich schicke dir auch gerne was zu, wenn du mir deine email gibst.

      Viele Grüße
      Kathleen

  4. Kathleen Conrad on

    Danke Anne, ich werde jetzt auch bald Vormund sein und du hast die ersten Schritte noch einmal gut zusammengefasst 🙂 Ich finde die Seite sehr gut, weil wir alle nur davon profitieren können.
    Kathleen

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