Ausbildung suchen trotz geringer Schulbildung

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Wer über 18 ist, wird ausgeschult. So die offiziellen Vorgaben in Sachsen. Mein Schützling, der ja nun auch volljährig ist, hat also keine Chance mehr, weiter in Dresden einfach in eine DAZ-Klasse zu gehen. Und leider gibt es (vielleicht noch) keine Programme, die hier auffangen könnten. Bildung ist ja Ländersache und Sachsen hat solche Programme eben leider nicht. Es gibt zwar Orientierungsangebote zum Beispiel von der Handwerkskammer das Projekt Perjuf-H, dort sind aber mindestens 7 Jahre Schulbildung Voraussetzung.

Das heißt, Ausbildung suchen. Was natürlich, wenn es klappt, den netten Nebeneffekt hat, dass eine Ausbildung in vielen Fällen vor Abschiebung schützt.

Herr Babuke von der Dresdner Arbeitsagentur hat mir in einem Telefonat die Sache erklärt.

Das Arbeitsamt steht zwar hilfreich zur Verfügung, viel anzubieten haben sie aber leider nicht. Es gibt Orientierungsveranstaltungen bei der Agentur im Rahmen der DAZ-Klassen und dann folgen Einzeltermine mit den Jugendlichen.

Inzwischen ist fast April, eigentlich schon spät, um mit einer Ausbildungsplatzsuche zu beginnen. Aber so ist es nun mal, bisher hatte ich immer gehört, so einfach ist das nicht und man braucht auf jeden Fall das Arbeitsamt dazu. Aber offenbar ist dem nicht so. Was es braucht, ist ein williger, ja mutiger Ausbildungsbetrieb. Denn fakt ist, ein Azubi, der im Heimatland keine Schule besucht hat, hat vieles nachzuholen und braucht dazu sicher die Hilfe des Betriebes oder anderer Unterstützer.

In Deutschland wird zunächst zwischen schulischer und betrieblicher Ausbildung unterschieden. Die schulischen führen oft zu Abschlüssen im sozialen Bereich und haben gewisse Abschlüsse als Mindestvoraussetzung, sind also für Flüchtlinge seltener erreichbar. Bei den betrieblichen Ausbildungen wird der Ausbildungsvertrag mit dem Betrieb geschlossen. Dieser entscheidet, welche Voraussetzungen er akzeptieren kann. Er kann also auch einen fleißigen Geflüchteten nehmen, der erst hier in Deutschland lesen und schreiben gelernt hat.

Der betriebliche Teil der Ausbildung stellt oft kein Problem dar; der schulische dagegen schon. Denn die Jugendlichen haben häufig nicht die vielen Jahre Schulbildung wie ihre deutschen Mitschüler. Das muss irgendwie kompensiert werden damit am Ende trotzdem ein Abschluss stehen kann. So eine Ausbildung ist also ein hartes Stück Arbeit und die Jugendlichen sollten wissen, was da auf sie zukommt.

Gesonderte Stellen für Geflüchtete gibt es nicht. Herr Babuke meint: einfach bewerben. Dazu sollte man natürlich auch wissen, was einem liegt. Die Arbeitsagentur hat verschiedene Berufetests, die sie auf ihren Webseiten anbietet. Der eine basiert auf Bildern (hier), für den anderen, Berufe-Universum, (hier), braucht man schon ein gutes Textverständnis. Beide helfen dabei, zu erkennen, welcher Beruf es werden sollte. Bis es soweit ist, heißt es wohl, bewerben, bewerben, bewerben. Hilfreich sind in diesem Prozess dann wohl eher Vereine und andere Unterstützer, wie sie im Infoblatt der Stadt weiter unten aufgeführt sind. Ein Blick lohnt sich.

 

Weitere Infos:

Zusammenfassung der Anlaufstellen, die bei der Ausbildungsplanung und Suche unterstützen gibt es hier.

Ausbildungsinfos der Agentur für Arbeit
http://www.planet-beruf.de

Neue Koordinierungsprogramme zum Thema Arbeitsmarktintegration zugewanderter Menschen
Infoblatt der Landeshauptstadt

Infos zum Projekt PerjuF-H der Handwerkskammer Dresden
Perspektive für junge Flüchtlinge im Handwerk

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2 Kommentare

  1. Kurz meine persönlichen Erfahrungen zum Thema Ausbildung.
    Voraussetzung für eine Ausbildungssuche sollte ein wirklich motivierter Schützling sein und das Deutschlevel gut sein. Mein Mündel hatte bereits zwei Praktika Ende letzten Jahres mit guten bis sehr guten Bewertungen absolviert.
    Mit diesem Stand habe ich gezielt Betriebe angeschrieben, welche bei der Arbeitsagentur Auszubildende suchen. Natürlich sollte man neben den Interessen auch Berufe suchen, wo max. ein Hauptschulabschluss nötig ist. Auch wenn dieser nicht vorhanden ist, lohnt sich ein Versuch. Ich habe in den Mails eindeutig geschrieben, um wen es sich handelt und was ich für eine Rolle spiele. 3 Betriebe von 5 angeschriebenen haben mir geantwortet. Überall habe ich angeboten, auch ein Praktikum vorher zu absolvieren und uns vorher persönlich kennenzulernen. Zwei Betriebe haben das Kennenlernen angenommen und sind bei erfolgreichen Praktikum bereit, meinem Mündel einen Ausbildungsplatz anzubieten. Bei dem dritten Betrieb erfolgte letzte Woche ein Praktikum, ebenfalls mit guten und sehr guten Einschätzungen.
    Wir haben den Ausbildungsvertrag also so gut wie in der Tasche und sogar Auswahlmöglichkeit.
    Ein Versuch lohnt sich also, ich habe sehr offene Betriebe gefunden, die unseren Jungs (Mädchen) durchaus eine Chance geben wollen, wenn sie es denn wollen.
    Wir wissen, dass die Berufsschule schwer werden wird, aber auch dafür werden wir uns alle möglichen Hilfen holen.
    Ich bin auch sehr stolz auf den starken Willen meines Mündels.

    Kathleen

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