Anhörung im Asylverfahren – so wars bei uns

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von Kathleen

Ich möchte kurz über meine Erfahrungen vom Anhörungstermin beim BAMF berichten.

 

Erst einmal gibt es positive Neuerungen (ich weiß es nur für die Minderjährigen).:

Man bekam bisher keinen individuellen Termin  genannt, sondern musste früh um 8 da sein, hat teilweise Stunden gesessen und manchmal trotzdem am Nachmittag gesagt bekommen, dass man nicht mehr dran kommt.

Jetzt werden gezielte Termine vergeben und nicht mehr so Viele auf einmal bestellt. Wir haben zwar trotzdem anderhalb Stunden warten müssen, da der Junge vorher 4 Stunden zur Anhörung war. Leider ist dies nie vorhersehbar, wie lange jemand braucht, manche brauchen oft Pausen. Wir waren reichlich 2 Stunden drin, aber gefühlt waren es auch für mich 4. Es ist für die Jungs unheimlich anstrengend und für einen selbst auch, da man sich der Wichtigkeit dieses Termins sehr bewusst ist.

Wir hatten eine sehr nette Interviewerin, welche sehr gut auf mein Mündel eingegangen ist und ihn auch oft fragte, ob er eine Pause braucht und sie hat gut erklärt, wie alles abläuft. Für die Minderjährigen gibt es extra geschulte Interviewer, von Anhörungen bei Erwachsenen habe ich schon gehört, das es teilweise sehr böse Fragen gab. Bei uns war dies nicht der Fall, wobei eben schon gezielt auf Wahrheitsgehalt geprüft wird und deshalb oft nochmal nach Erzählungen genau hinterfragt wird.

Wird z.B. vom Mündel erzählt, dass er sich bei Ausübung seiner Religion in seinem Land gefährdet sieht und er Angst hat, wid hinterfragt, wie und ob man das denn überhaupt auf der Straße erkennen kann, dass er zu dieser Religion gehört.  (Dies nur ein grobes Beispiel, genaue Details werde ich aus Datenschutzgründen nicht hier erzählen.)

Es ist von großem Vorteil, wenn ihr die Geschichte eures Mündels sehr genau kennt. Erstens kann man alles vorher mal “durchspielen” und man weiß dann auch genau, wenn etwas nicht stimmt.

Mein Mündel hatte eine Übersetzerin, welche dies so das erste Mal gemacht hat. Ich hatte leider das Gefühl, dass sie nicht immer alles, vor allem die Fragen der Interviewerin korrekt übersetzt hat. Dies merkte ich, weil oft die Frage gar nicht richtig beantwortet wurde, eher etwas völlig anderes erzählt wurde. Also ich denke, die Genauigkeit fehlte in der Übersetzung.

Mir wurde am Anfang erzählt, dass ich am Ende als Vormund die Chance bekomme, auch etwas zu sagen. Als ich mir bei der entscheidensten Frage  aber sicher war, dass die Frage nicht korekkt übersetzt worden sein konnte, habe ich dies kund getan. Die Interviewerin hatte zum Glück auch den Eindruck und hat noch andere gezielte Fragen dazu gestellt. Bei einem Erwachsenen-Interview hätte es die Chance wahrscheinlich nicht gegeben. Sie hat sogar am Ende etwas berichtigt, weil ich sie davon überzeugen konnte, dass die Frage nicht korekkt übersetzt sein konnte, weil er das sonst niemals geantwortet hätte.

Und zum Ende hatte ich auch die Chance zu sprechen und habe wichtige Sachen nochmal hervor gebracht. Ich habe auch sein bisheriges Engagement in der Schule und seine Praktika angebracht und damit seinen Integrationswillen zum Ausdruck gebracht. Sie war daran sehr interessiert und auch das ist ins Protokoll aufgenommen worden. Leider konnte die Übersetzerin nicht von Deutsch in seine Muttersprache vorlesen, also rückübersetzen. So lag die gesamte Verantwortung bei mir, das Protokoll genau zu lesen. Denn im Nachhinein ist keine Änderung mehr möglich!

So, ich hoffe, dass ich einen kurzen Einblick geben konnte.

Noch ein paar Tipps…

auch wenn es jetzt nicht mehr so lange Wartezeiten gibt, unbedingt Trinken und Essen (bei Bedarf) mitnehmen. (im Zimmer der Anhörung wurde Wasser angeboten). Außerdem nicht wundern, wenn man bei der Anhörung eine Pause macht, wird man von Security zur Toilette begleitet. 

Ich hatte mit meinem Mündel Adressdaten und Namen der Familie aufgeschrieben. Dies erleichtert die Protokollaufnahme und ist deshalb ein guter Tipp. Generell kann sich das Mündel vorher Notizen machen, wenn es ihm dadurch leichter fällt, sich an alles zu erinnern. Es wird auch das Internet benutzt, um z.B Aussagen zur Fluchtroute oder nahe genannte Städte zu vergleichen. Deshalb sind solche Stichpunkte von Vorteil. 

Zur Vorbereitung haben wir oft die Fragen durchgesprochen, die beim Stammtisch zur Verfügung gestellt wurden. Ich kannte aber durch eine vorangegangene Patenschaft seine Geschichte sehr gut. Offenheit kann sehr helfen, um am Ende zu wissen, dass alles Wichtige gesagt wurde. Auch der Flüchtlingsrat berät zur Vorbereitung, habe ich gehört.   

 

Und nun? Die Interviewerin meinte, ein Bescheid kommt frühestens in vier Wochen…gehört habe ich, es dauert viel länger.

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